22 Aug. 2026 Hochtourenwoche auf dem Gepatschferner
von Florian Gerlinger:
Tag 1: Ankommen & Vorbereitung
Unsere Hochtour auf den Gepatschferner begann mit der Fahrt von München zum Gepatschhaus auf 1.928 Metern Höhe. Bei Ankunft am späten Mittag auf der Hütte wurde unser DAV-Trainer Peter direkt vom Hüttenhund begrüßt.
Nach einer kleinen Stärkung begann am Nachmittag die Theorie: In einem Seminarraum konnten wir alle wichtigen Hochtour-Grundlagen für die kommenden Tage in Ruhe üben. Von Knotenkunde mit Achter, Prusik und Schmetterlingsknoten über Kartenkunde bis hin zu Erster Hilfe und dem Mannschaftszug war einiges dabei. Gerade der Mannschaftszug ist extrem wichtig, wenn man in einer größeren Seilschaft unterwegs ist und eine Person aus einer Gletscherspalte bergen muss. Anschließend wurden die Steigeisen eingestellt und das gesamte Material kontrolliert. So waren wir alle gut vorbereitet für die nächsten Tage. Ingesamt waren wir 7 Personen, die sich alle riesig auf die anstehende Hochtour freuen.
Abends gab es dann ein wirklich leckeres Essen, bei dem man sogar zwischen verschiedenen Hauptgerichten wählen konnte. Geschlafen haben wir in einem Mehrbettzimmer und waren nach dem langen Tag logischerweise früh im Bett, denn wir wussten, dass die nächsten Tage deutlich anspruchsvoller werden würden.
Tag 2: Erster Kontakt mit dem Gepatschferner und Aufstieg zur Rauhekopfhütte (2731m)
Am nächsten Morgen wurden wir früh von den Kühen geweckt und machten uns dann auf den Weg Richtung Rauhekopfhütte. Zunächst führte der Weg noch über einen gewöhnlichen Wanderweg, bis wir nach etwa eineinhalb Stunden zum ersten Mal den Gepatschferner sehen konnten. Der Anblick war echt beeindruckend.

Am Gletscher angekommen, hieß es Ausrüstung anlegen und die ersten Schritte auf dem Eis machen. Aufgrund der Bedingungen (Blankeis) haben wir uns zunächst ohne Seil bewegen können, aber Vorsicht ist auf dem Gletscher trotzdem geboten. Ein kleiner Zwischenfall sorgte direkt für unseren ersten Erste-Hilfe-Einsatz, denn das Gletschereis ist teilweise messerscharf. Dank der gestrigen Vorbereitung haben wir die kleine Verletzung aber schnell versorgt.
Danach ging es mit den ersten Übungen los: Wir lernten unter anderem, wie man eine Eisschraube benutzt, eine Abalakov-Eissanduhr baut und wie man sich mit Steigeisen sicher auf dem Eis bewegt. Anschließend stiegen wir weiter über den Gletscher auf, bevor wir kurz vor dem Gletscherbruch nach rechts zur Rauhekopfhütte auf 2.731 Metern abbogen.
Die kleine Hütte mit gerade einmal rund 20 Schlafplätzen empfing uns total herzlich. Die Hüttenwirte tauschen hier übrigens alle zwei Wochen und arbeiten ehrenamtlich. Nach einer kurzen Pause in der Sonne übten wir noch das Abseilen, bevor wir uns am Abend das wirklich verdiente Essen schmecken ließen. Auf der Rauhekopfhütte wird übrigens niemand hungrig ins Bett geschickt. Das Essen wird liebevoll zubereitet und teilweise vom Metzger aus dem Tal zubereitet und eingekocht, denn die Hütte wird nur einmal pro Saison per Hubschrauber beliefert. Deshalb freut man sich hier sehr über frisches Gemüse, so hat ein Mitglied unserer Gruppe eine frische Gurke mitgebracht, die dann direkt zu einem Gurkensalat verarbeitet wurde.











Tag 3: Spaltenbergung & weitere Übungen am Gletscher
Am dritten Tag ging es nach dem Frühstück wieder hinunter zum Gepatschferner. Heute stand ein großes Programm auf dem Plan. Wir übten unter anderem das Überwinden steiler Passagen, Abseilen und verschiedene Techniken der Spaltenbergung. Dabei wurde jeder von uns kontrolliert in eine Gletscherspalte abgelassen. Ein ziemlich aufregendes Gefühl, wenn man plötzlich mehrere Meter unterhalb der Oberfläche am Seil hängt und nach oben schaut. Natürlich wurden wir aber alle wieder sicher geborgen.
Eigentlich wollten wir danach noch weiter über den Gletscherbruch nach oben aufsteigen, doch die Spalten waren zu breit und teilweise einfach zu tief. Also hieß es umdrehen. Das gehört bei einer Hochtour auch dazu.
Später wollten wir noch den Großen Rauhen Kopf besteigen, doch ein Wetterumschwung machte uns einen Strich durch die Rechnung. Denn auf fast 3.000 Metern kann sich das Wetter innerhalb kürzester Zeit komplett verändern. Während es zur gleichen Zeit in München 34 Grad und strahlenden Sonnenschein hatte, lagen die Temperaturen bei uns bei etwa 10 Grad und Regen. Da waren mehrere Kleidungsschichten und eine Winterjacke unbedingt notwendig.
Auf der Rauhekopfhütte gibt es nur ein Outdoor-Badezimmer. Dafür ist die Dusche unter freiem Himmel mit Bergblick schon etwas Besonderes, auch wenn das Wasser entsprechend erfrischend war. Einen kleinen Bergsee gibt es außerdem etwas unterhalb der Hütte.








Tag 4: Aufbruch zum Brandenburger Haus (3277m) und erster Gipfel Dahmannspitze (3397m)
Nach zwei wunderschönen Nächten mussten wir uns von der Rauhekopfhütte leider verabschieden. Bei etwa 10 Grad und strahlendem Sonnenschein ging es am Morgen weiter Richtung Brandenburger Haus auf 3.277 Metern.

Nach rund drei Kilometern auf dem Gepatschferner stand wieder eine wichtige Übung auf dem Programm: die sogenannte „lose Rolle“ (Spaltenbergung in einer Dreierseilschaft). Solche wichtigen Übungen dauern deutlich länger, als man vielleicht denkt, denn damit waren wir fast den gesamten Vormittag beschäftigt. Zwischendurch konnten wir dann auch endlich den T-Anker im Schnee üben, da es hier neben Blankeis auch ein paar (kleine) Schneefelder gab.
Am Nachmittag erreichten wir schließlich das Brandenburger Haus, das rund 100 Höhenmeter über dem Gepatschferner trohnt. Die Aussicht von dort oben war einfach herrlich.
Wer noch höher hinaus möchte, kann die Dahmannspitze auf 3.397 Metern besteigen. Das haben wir am Nachmittag dann noch gemacht. Von dort hat man einen fantastischen 360-Grad-Blick über den gesamten Gepatschferner.
Zurück auf der Hütte planten wir gemeinsam mit Peter unsere erste eigene Hochtour für den nächsten Tag. Dabei wurde uns auch noch einmal bewusst gemacht, wie wichtig aktuelle Informationen von Hüttenwirten oder Bergführern sind. Gerade durch den Rückgang der Gletscher verändern sich die Bedingungen und damit auch die Steinschlag- und Spaltengefahr teilweise sehr schnell. Eine Info über den aktuellen Zustand der Route ist also immer Gold wert.














Tag 5: Zweiter Gipfel Mittlere Hintereisspitze (3450m)
Am fünften Tag starteten wir bereits um 6:30 Uhr zu unserer selbst geplanten Hochtour auf die Mittlere Hintereisspitze mit 3.450 Metern. Der frühe Start war notwendig, da für den Mittag Gewitter vorhergesagt wurden. Über Aper-Gelände und Schneefelder ging es zunächst zum Fuß des Gipfels, wo wir unsere neu erlernten Fähigkeiten direkt anwenden mussten: In einem steilen, vereisten und schattigen Abschnitt sicherten wir uns mit Eisschrauben und kletterten Stück für Stück am Seil nach oben.

Danach folgte etwa eine Stunde alpines Gelände über Geröll und Fels, teilweise im ersten und zweiten Grad. Gegen 9:30 Uhr standen wir schließlich auf dem Gipfel der Mittleren Hintereisspitze und hatten zum Glück noch perfekte Wetter-Bedingungen. Der Blick über die umliegenden Berge war wieder gigantisch.
Beim Abstieg seilten wir uns über einen steilen Gletscherabschnitt ab und bewegten uns anschließend wieder über die Schneefelder Richtung Hütte. Dabei merkten wir, wie wichtig eine Seilschaft ist. An einigen Stellen waren die Schneebrücken über den Spalten bereits sehr dünn. Ein paar Mal sanken wir deshalb glücklicherweise nur bis zur Hüfte ein und konnten uns eigenständig wieder befreien. Mit unserer siebenköpfigen Seilschaft waren wir aber jederzeit sicher unterwegs. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir gemütlich auf der Hütte bei Getränken und Kartenspielen.














Tag 6: Letzter Gipfel Weißseespitze (3532m) und Abstieg
Am nächsten Morgen ging es dann noch ein letztes Mal früh los Richtung Weißseespitze auf 3.532 Metern. Nach rund zweieinhalb Stunden im alpinen Gelände erreichten wir gegen 9 Uhr den Gipfel und wurden erneut mit einer unglaublichen Aussicht belohnt.
Danach folgte ein anspruchsvoller, aber machbarer Grat hinunter Richtung Kaunertaler Skigebiet. Der Abstieg zog sich schließlich doch etwas, weshalb wir am Ende alle froh waren, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.




Fazit
Was für eine Woche! Die Mischung aus Genusstour, Training und Hochtour ist für uns alle ein Erlebnis geworden, bei dem wir unglaublich viel gelernt haben und uns gerne daran zurückerinnern. Besonders schön war, dass Peter, unser DAV Trainer, es geschafft hat, trotz unterschiedlicher Vorkenntnisse jeden von uns mitzunehmen und zu fordern. Das Gelernte konnten wir immer direkt am nächsten Tag anwenden und genau dadurch bleibt es auch im Kopf. Wir sind als Gruppe zusammengewachsen, haben uns gegenseitig unterstützt und sind sicherlich alle ein kleines Stück über uns hinausgewachsen.
Am Ende blickt man zurück auf tolle Gipfel, den riesigen Gepatschferner und vor allem super Hütten. Dafür sind wir unglaublich dankbar. Ein ganz besonderer Dank geht deshalb an unseren DAV-Trainer Peter, der die gesamte Tour geplant, organisiert und uns sicher durch diese beeindruckende Woche geführt hat.